OECD-Stu­die ver­öf­fent­licht: Deutsch­land Spit­ze bei den Abga­ben: Nur ein Staat lässt sei­ne Bür­ger noch mehr zah­len

Deutsch­land lan­det bei der Belas­tung der Arbeits­ein­kom­men mit Steu­ern und Sozi­al­ab­ga­ben im inter­na­tio­na­len Ver­gleich in der Spit­zen­grup­pe. Das teil­te die Orga­ni­sa­ti­on für wirt­schaft­li­che Zusam­men­ar­beit und Ent­wick­lung (OECD) am Don­ners­tag in Paris mit Hin­weis auf Daten aus dem ver­gan­ge­nen Jahr mit.

Bei kin­der­lo­sen Allein­ste­hen­den mit durch­schnitt­li­chem Ein­kom­men wer­den in Deutsch­land im Schnitt 49,4 Pro­zent ein­be­hal­ten, wie sich aus der OECD-Stu­die „Taxing Wages“ ergibt. Dabei ist der Arbeit­ge­ber­an­teil an den Sozi­al­ab­ga­ben inbe­grif­fen. 2018 hat­te sich ein ähn­li­ches Bild erge­ben.

Zum Ver­gleich: Der Schnitt der OECD-Län­der liegt deut­lich nied­ri­ger — bei 36 Pro­zent. Nur Bel­gi­en liegt für die­sen Per­so­nen­kreis mit einer Belas­tung von 52,2 Pro­zent noch vor Deutsch­land. Öster­reich kam auf 47,9 Pro­zent, Ita­li­en (48,0 Pro­zent) und Frank­reich (46,7 Pro­zent) kas­sie­ren eben­falls mehr als 45 Pro­zent der Ein­kom­men direkt wie­der ein.

Die Schweiz kommt auf 22,3 Pro­zent. Tat­säch­lich blei­ben nur zwei Staa­ten unter der 20-Pro­zent-Mar­ke: Am gerings­ten ist die Last an Steu­ern und Sozi­al­ab­ga­ben in Chi­le (7 Pro­zent) und Neu­see­land (18,8 Pro­zent). Die USA lie­gen mit 30 Pro­zent eben­falls klar unter dem Durch­schnitt.

Deut­sche zah­len vor allem hohe Abga­ben

Aller­dings sind Ver­glei­che hin­sicht­lich der rei­nen Abga­ben­last eine heik­le Sache. Denn Staa­ten, die weni­ger Geld von ihren Bür­gern kas­sie­ren, bie­ten häu­fig ein ent­spre­chend weni­ger umfas­sen­des öffent­li­ches Sozi­al­sys­tem. Gera­de für Deutsch­land zeigt die Stu­die denn auch, dass es sei­ne Bür­ger weni­ger durch hohe Steu­ern als durch hohe Sozi­al­ab­ga­ben belas­tet.

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Das gilt wie­der­um nicht nur für Durch­schnitts-Sin­gles: Auch allein­ste­hen­de Arbeit­neh­mer, die rela­tiv wenig oder rela­tiv viel ver­die­nen, wer­den in Deutsch­land außer­ge­wöhn­lich stark zur Kas­se gebe­ten. Bei Fami­li­en liegt Deutsch­land mit einer Belas­tung in Höhe von 34,3 Pro­zent eben­falls deut­lich über dem OECD-Durch­schnitt von 26,4 Pro­zent. Damit zählt die Bun­des­re­pu­blik zwar nicht zur Spit­zen­grup­pe, unter den 36 Län­dern reicht es aber immer noch für Platz sie­ben.

Ehe­paa­re kom­men bes­ser weg — OECD den­noch nicht ange­tan

Im Unter­schied zu den Sin­gles pro­fi­tie­ren Fami­li­en in Deutsch­land von einer star­ken steu­er­li­chen För­de­rung, über die Grund­frei­be­trä­ge für Kin­der. Auch das deut­sche Ehe­gat­ten­split­ting trägt dazu bei, dass Ehe­paa­re eine nied­ri­ge­re Steu­er­be­las­tung ver­kraf­ten müs­sen als Sin­gles oder unver­hei­ra­te­te Paa­re.

Das Ehe­gat­ten­split­ting ist der OECD aller­dings schon lan­ge ein Dorn im Auge, da es fal­sche Anrei­ze set­ze: Es sorgt näm­lich dafür, dass eine Fami­lie steu­er­lich umso stär­ker pro­fi­tiert, je höher der Ein­kom­mens­un­ter­schied zwi­schen den Ehe­part­nern ist. Mit ande­ren Wor­ten: Wenn ein Ehe­part­ner zuhau­se bleibt oder in Teil­zeit arbei­tet, rech­net sich das in der Sum­me bei der Steu­er. Und meis­tens sind es die Frau­en, die auf ein eige­nes Ein­kom­men ver­zich­ten.

Die OECD hat mehr als 30 Mit­glieds­län­der.

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pom

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