Geld sitzt nicht mehr so locker: Immo­bi­li­en in der Coro­na-Kri­se: Brö­ckeln jetzt Prei­se — oder kommt Flucht in Beton?

Die Immo­bi­li­en­prei­se legen in Deutsch­land legen seit Jah­ren mas­siv zu. Vie­le Kauf­wil­li­ge hof­fen, dass die Coro­na-Kri­se die­se Ent­wick­lung been­det. Dazu gibt es aber noch kei­ne aktu­el­len Daten. Immo­bi­li­en-Exper­te Rei­ner Braun zeigt mög­li­che Ten­den­zen auf.

Die Post­bank hat kürz­lich ihren jähr­li­chen Wohn­at­las erar­bei­tet, der der „Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Zei­tung“ (FAZ ) vor­liegt. Die Daten stam­men aus Zei­ten vor der Coro­na-Kri­se, des­halb bie­tet der Wohn­at­las kei­ne aktu­el­le Ori­en­tie­rungs­hil­fe. Sein erwart­ba­res Ergeb­nis: In den ver­gan­ge­nen zwölf Mona­ten ver­zeich­ne­ten 90 Pro­zent aller deut­schen Land­krei­se und kreis­frei­en Städ­te einen Zuwachs bei den Immo­bi­li­en­prei­sen. Bun­des­weit lag das Plus 2019 im Schnitt infla­ti­ons­be­rei­nigt bei 9,3 Pro­zent.

Nach­fra­ge dürf­te in einer ers­ten Pha­se zurück­ge­hen

Doch wie geht es auf dem Immo­bi­li­en­markt wei­ter? Rei­ner Braun, Vor­stands­vor­sit­zen­der des Immo­bi­li­en-For­schungs­in­sti­tuts Empi­ri­ca in Ber­lin, wagt in dem Bericht einen Aus­blick. Die Nach­fra­ge nach Wohn­raum wer­de zumin­dest in den kom­men­den Wochen von der Krank­heits­wel­le stark beein­träch­tigt, ver­mu­tet er.

Das hat aus Sicht von Exper­te Braun meh­re­re Grün­de:

  • Bun­des­bür­ger den­ken der­zeit kaum an Umzü­ge inner­halb Deutsch­lands
  • der Zuzug aus dem Aus­land geht infol­ge der Grenz­schlie­ßun­gen deut­lich zurück

Bei Ver­mö­gen­den sitzt das Geld nicht mehr so locker

Braun nennt als wei­te­ren Fak­tor: Wegen der mas­si­ven Kurs­ver­lus­te an den Bör­sen sei ein „Ent­zug an Liqui­di­tät“ am Immo­bi­li­en­markt wahr­schein­lich.

Gera­de Ver­mö­gen­de, die meist auch in Akti­en inves­tie­ren, haben viel Geld ver­lo­ren, das für Inves­ti­tio­nen am Immo­bi­li­en­markt feh­len dürf­te. Dane­ben könn­te eine zwei­te Grup­pe poten­ti­el­ler Käu­fer aus­fal­len: Aus­län­di­sche Anle­ger – oft­mals Unter­neh­mer – könn­ten wegen der Coro­na-Kri­se ihre Gel­der aus Deutsch­land abzie­hen und statt­des­sen in ihren Fir­men zur Kri­sen­be­kämp­fung ein­set­zen.

Das sind ers­te Mut­ma­ßun­gen inmit­ten in der aktu­el­len Ent­wick­lung, sie klin­gen aber plau­si­bel.

Vor­über­ge­hend sin­ken­de Prei­se mög­lich

Soll­te sich die aktu­el­le Kri­se mas­siv ver­schär­fen und lan­ge andau­ern, könn­ten Tau­sen­de Mie­ter in Geld­pro­ble­me gera­ten und mög­li­cher­wei­se ihre Mie­ten nicht mehr auf­brin­gen könn­ten. Das wür­de die Prei­se für Woh­nun­gen belas­ten.

Zwar will die Bun­des­re­gie­rung Bür­gern groß­zü­gig hel­fen, wie Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­ter Peter Alt­mai­er (CDU) mehr­fach erklär­te. Doch auch der Finanz­kraft des Bun­des sind Gren­zen gesetzt.

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Mas­si­ver Wirt­schafts­ein­bruch wür­de Immo­bi­li­en­markt brem­sen

Der­zeit kann auch nie­mand aus­schlie­ßen, dass die wirt­schaft­li­chen Fol­gen der Coro­na-Kri­se die deut­sche Wirt­schaft län­ge­re Zeit lähmt. In einer sol­chen Pha­se wer­den die Immo­bi­li­en­prei­se aller Vor­aus­sicht nach eher sin­ken als stei­gen.

Ent­schei­den­de Fak­to­ren sind Zeit­punkt und Aus­maß einer anschlie­ßen­den Wirt­schafts­er­ho­lung. Wich­tig wer­de auch die Ver­fas­sung der Ban­ken sein, wenn die Immo­bi­li­en­märk­te wie­der auf Wachs­tum schal­ten, so Exper­te Braun. Denn ange­sichts des Preis­ni­veaus sind Immo­bi­li­en­käu­fer auf Finan­zie­run­gen ange­wie­sen. Und die stel­len Geschäfts­ban­ken zur Ver­fü­gung.

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Braun räumt Unwäg­bar­kei­ten bei sei­ner Pro­gno­se ein. Offen sei etwa, ob sich die viel­fach unter­bro­che­nen Bau­ar­bei­ten schon bald wie geplant fort­set­zen las­sen. Das sei wich­tig für ein stei­gen­des Woh­nungs­an­ge­bot. Nur wenn die Zahl fer­ti­ger Woh­nun­gen zunimmt, könn­te das „dazu füh­ren, dass sich die Kauf­prei­se zumin­dest beru­hi­gen“, so Braun in dem Bericht. Das bedeu­tet aus Sicht des Immo­bi­li­en­ex­per­ten aller­dings nicht zwin­gend, dass die Immo­bi­li­en­prei­se auf brei­ter Front sin­ken.

Deut­sche ver­trau­en auf Beton­gold — und könn­ten die Prei­se hoch hal­ten

Denn es gebe ein schlüs­si­ges Gegen­ar­gu­ment: Immo­bi­li­en gel­ten gera­de in Zei­ten hef­ti­ger Finanz­markt-Tur­bu­len­zen als siche­re Anla­ge. Ein Run auf Sach­wer­te könn­te die Immo­bi­li­en­prei­se stüt­zen – selbst dann, wenn ande­ren Anla­ge­klas­sen wie Akti­en und Gold mas­siv an Wert ver­lie­ren. Zum PDF-Rat­ge­ber — So finan­zie­ren Sie Ihre Immo­bi­lie

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